Wildcampen Deutschland und Übernachten im Wald: Was ist erlaubt?

Tarp im Wald 

Du würdest gerne mit deinen Kindern in der Natur übernachten? Am liebsten fernab von Campingplätzen? Aber ist das überhaupt erlaubt?

Vielleicht hast du schon mal gehört, dass Wildcampen in Deutschland, anders als in Skandinavien, verboten ist. Aber wie ist Campen eigentlich rechtlich definiert und gibt’s auch Ausnahmen? Wir haben in diesem Artikel das Wichtigste zusammengefasst.

Jeder darf in den Wald

Zuerst mal die gute Nachricht vorweg: jede/r darf den Wald betreten um sich dort zu erholen. Im § 59 des Bundesnaturschutzgesetz heißt es dazu:

Das Betreten der freien Landschaft auf Straßen und Wegen sowie auf ungenutzten Grundflächen zum Zweck der Erholung ist allen gestattet.

und im § 14 des Bundeswaldgesetz:

Das Betreten des Waldes zum Zwecke der Erholung ist gestattet.

Das heißt schon mal, dass jede/r die Natur betreten darf und sich dabei auch nicht an bestimmte Tageszeiten halten muss. Dieses Recht gilt auch unabhängig davon, wer der Eigentümer des Grundstückes ist. Freie Landschaft meint übrigens alle ungenutzten Flächen außerhalb von Siedlungen. Neben dem Wald zählen auch Ufer, Wiesen, Strände und Landwirtschaftsflächen außerhalb der Nutzzeit dazu 1.

Allerdings schließt das Betreten leider nicht den Aufbau von einem Zelt mit ein. In den meisten Bundesländern ist der sogar explizit verboten, so dass man generell sagen muss: In Deutschland ist wild Zelten verboten.

Was in den Gesetzestexten allerdings nicht gesondert geregelt ist, ist das Schlafen unter freiem Himmel, das auch Biwakieren oder Lagern genannt wird. Sich einfach mit Isomatte und Schlafsack in den Wald zu legen ist also grundsätzlich möglich. Dabei darfst du auch ein Tarp (Schutzplane), einen Biwaksack oder eine Hängematte benutzen.

Mann Frau Biwakieren Wildcampen Deutschland
Unter freiem Himmel zu schlafen ist in Deutschland grundsätzlich nicht verboten

Darf ich überall biwakieren?

Grundsätzlich ist Biwakieren nicht verboten. Du solltest Flächen meiden, die offensichtlich von einem Bauern genutzt werden oder zu einem Hof gehören. Hier lohnt es sich aber manchmal schon einfach anzuklopfen und zu fragen, ob ihr dort übernachten dürft.

Da die Details von den Bundesländern geregelt werden, gibt es hier noch ein paar Besonderheiten.

In Schleswig-Holstein und Hessen ist es verboten im Wald nachts die Wege zu verlassen2. Das heißt, dort dürftest du nur auf einem Waldweg schlafen. Praktikabel und gemütlich ist das natürlich nicht. Du darfst in diesen Bundesländern aber weiterhin in der sonstigen Natur (außerhalb des Waldes) übernachten.

Als einziges Land hat Berlin in sein Waldgesetz einen Abschnitt aufgenommen, der im Wald nicht nur ein Zelt, sondern auch „ähnliche Lagerstätten“ verbietet3. Das heißt, dort darfst du kein Tarp aufbauen, weil das einem Zelt ja „ähnlich“ ist.

In Schutzgebieten ist das Betretungsrecht meistens eingeschränkt

Sonderfall Schutzgebiete

Ein ganz anderes Thema sind die Schutzgebiete. Dazu haben wir ein paar praktische Tipps für dich, damit du rechtlich auf der sicheren Seite bist.

In Deutschland gibt es eine ganze Menge solcher Schutzgebiete. Deren Rechtslage ist jeweils in sogenannten Schutzgebietsverordnungen geregelt. Die alle hier aufzuführen, würde den Rahmen des Artikels sprengen, aber wenn du planst, mit deinen Kindern draußen zu übernachten, dann mach einfach folgendes:

  • Prüfe mit der Karte der Schutzgebiete vom Bundesamt für Naturschutz ob dein Übernachtungsplatz in einem Schutzgebiet liegt. Mit einem Klick erfährst du hier auch den Namen (z.B. „Naturpark Pfälzerwald“)
  • In einem Naturschutzgebiet oder Nationalpark ist biwakieren/lagern zum Schutz der Tier- und Pflanzenwelt grundsätzlich verboten.
  • Befindet sich der ausgesuchte Platz in einem Biosphärenreservat, Naturpark oder Landschaftsschutzgebiet, kann es sein, dass Biwakieren über die Schutzgebietsverordnung verboten ist. Gib in eine Suchmaschine die Stichworte „[Name des Schutzgebiets] Verordnung lagern“ ein (z.B. „Naturpark Pfälzerwald Verordnung lagern“)
  • Solltest du einen Treffer landen, heißt das, dass Biwakieren leider verboten ist.
Alle Schutzgebiete in Deutschland
© Bundesamt für Naturschutz (BfN) 2015 | © GeoBasis-DE / BKG 2015 | © EuroGeographics 2015 | © Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) 2015

Eine erfreuliche Ausnahme in Sachsen ist der Nationalpark Sächsische Schweiz. Dort ist das Lagern an 58 ausgewiesenen Stellen, sogenannten Boofen erlaubt, wenn du zum Klettern da bist. Hier findest Du eine Liste dieser Übernachtungsplätze.

Generell und besonders innerhalb der Schutzgebiete gilt natürlich: geht respektvoll mit der Natur um und hinterlasst keine Spuren. Das Klima der letzten Jahre hat die Waldbrandgefahr in Deutschland extrem erhöht und schon kleine Funken oder Zigarettenstummel können in einer Katastrophe enden. Sei dir dessen bewusst und gehe verantwortungsvoll mit Feuer um.

Mehr davon? Erhalte jede Woche neue Ideen und Tipps per E-Mail.

Wir machen keinen Unfug mit Deiner E-Mail Adresse. Mehr in unserer Datenschutzerklärung.

Kann ich nicht doch irgendwie in Deutschland wildcampen?

In Deutschland gibt es zwar kein Jedermannsrecht wie in Skandinavien, aber im ganzen Land gibt es ausgewiesene Plätze in der Natur wo du dein Zelt aufschlagen darfst. Einige davon werden von Privatleuten aus reiner Nächstenliebe angeboten, andere werden von Tourismusverbänden als sogenannte Trekkingplätze betreut. Letztere kosten meistens auch etwas und können nur benutzt werden, wenn man sich vorher anmeldet. Mehr erfährst Du in diesem Artikel: Biwak- und Trekkingplätze – Wildcamping mit Zelt in Deutschland

Wildcampen Deutschland - Biwakplatz Sächsische Schweiz
Legal wildcampen in Deutschland: ausgewiesene Biwak- und Trekkingplätze

Fazit

In Deutschland darfst du in der freien Landschaft übernachten, wenn du kein Zelt aufbaust und die Schutzgebiete beachtest. Es ist dein Recht, die Natur zur Erholung zu nutzen, also nimm es auch ruhig selbstbewusst wahr. Wenn du gerne mit deinen Kindern im Zelt schlafen willst, dann such mal nach Trekkingplätzen in der Gegend oder sprich direkt mit dem Landeigentümer.

Egal für welche Variante du dich entscheidest, wichtig ist immer respektvoll mit anderen Menschen, Pflanzen und Tieren umzugehen. Dazu gehört es keinen Müll zurück zulassen, keinen unnötigen Krach zu machen und kein Feuer zu machen.

Einen Überblick zum Thema Draußen-schlafen findest du hier: Mit Kindern draußen schlafen – Schritt für Schritt

In diesem Sinne – Viel Spaß beim Ausbüxen!

Paddy und Jana

Hat dir der Artikel weiter geholfen? Hast du noch Fragen zum Thema? Schreib’s in die Kommentare.

Quellen

  1. Gerichtsurteil Griebnitzsee
  2. §23 (11) HJagdG und §17 LWaldG
  3. § 23 Abs. 1 Nr 4 LWaldG

Auch interessant

Kommentare (5)

  • Alex

    Also das habe ich so nicht gewusst.
    Danke für diese tollen Infos !!

  • Patrick

    Hallo zusammen, vielen Dank für diesen informativen Artikel!
    Hierzu hätte ich noch eine Frage, bei der ich mir nicht sicher bin, ob ich sie mir schon selbst beantworten kann.
    Es ist ja erlaubt „Dabei darfst du auch ein Tarp (Schutzplane), einen Biwaksack oder eine Hängematte benutzen.“ ein Tarp zu benutzen beim Wildcampen.
    Ist es ebenfalls erlaubt ein Tarp in Verbindung mit einem Moskitonetz zu benutzen?
    Oder ist dies nicht erlaubt, da durch diese Verbindung es sehr einem richtigen Zelt ähnelt?

    • Martin

      Hallo,

      super Infoseite – danke!

      Ich schließe mich Patricks Frage an – ist ein Moskitonetz „erlaubt“ zum wildcampen? Es gibt auch schlauchförmige, komplett geschlossene Moskitonetze, die einen Bügel haben, um das Netz vom Gesicht wegzuhalten – gilt das dann schon als Zelt?

    • Paddy Autor

      Hallo Patrick und Martin,
      soweit ich weiß, ist ein Moskitonetz – genauso wie ein Tarp – nirgendwo im Gesetz explizit erwähnt. Weil die beiden aber sehr ähnlich sind, würde ich davon ausgehen, dass auch ein Netz nicht als „Zelt“ gilt. Das ist allerdings meine persönliche Interpretation und keine juristische Beratung 😉.
      Alles was einen Bügel oder etwas Gestänge-ähnliches hat, könnte aber wahrscheinlich als Zelt angesehen werden, denke ich. Wenn ihr euch tiefer in die Materie einarbeiten wollt, dann werft mal einen Blick auf diesen archivierten Artikel von vivalranger.com: https://web.archive.org/web/20170917102745/http://vivalranger.com/home/wissen/outdoorrecht
      Liebe Grüße
      Paddy

  • Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.